Zu leben ist gar nicht so schwer

 

Wir leben in einer so genannten Leistungsgesellschaft. Unser Alltag stellt vor allem hohe Anforderungen an unsere geistige Leistungsfähigkeit. Wir benötigen diese Leistungsfähigkeit jeden Tag viele Stunden lang, und das braucht sehr viel Motivation. Ohne ausreichende Motivation schaltet ganz schnell unser biologisches Energiesparprogramm ein, und wir hängen durch – bringen also keine Leistung mehr.

Um uns zu motivieren, wenden wir vorwiegend zwei gängige Maßnahmen an: Zum einen machen wir die Ziele sehr bedeutend, die wir erreichen wollen, denn ein völlig unwichtiges Ziel wird von unserem biologischen Energiesparsystem als Energieverschwendung betrachtet. Die meisten Menschen gehen deshalb auf Nummer sicher und beurteilen die angepeilte Zielsetzung als Notwendigkeit. Ist etwas wirklich absolut notwendig, rückt unser Energiesparsystem alle Energie heraus, die dazu notwendig ist.

Die zweite gängige Motivationsmaßnahme bezieht sich auf unsere Beurteilung der Anforderungen, welche die entsprechende Aufgabe an uns stellt. Wenn wir eine Aufgabe sehr leicht bewältigen können, sieht unser Energiesparsystem möglicherweise nicht ein, dass es dafür sehr viel Energie locker machen soll. Wir fühlen uns also nicht motiviert, uns anzustrengen. Wir bezeichnen unser Energiesparsystem in solch einem unmotivierten Zustand als inneren Schweinehund, den wir überwinden müssen.

Wir beurteilen also aus Motivationsgründen unsere wichtigen Ziele häufig als Notwendigkeiten und nicht als Möglichkeiten, die zu erreichen zwar schön und gut, aber eben nicht notwendig wäre. Gleichzeitig sehen wir das Erreichen dieser Ziele als sehr anspruchsvoll an. Diese beiden Beurteilungen motivieren uns tagtäglich zum Erbringen unserer Leistungen. Langfristig bringen sie uns jedoch in einen Teufelskreis, der uns über die Jahre immer mehr unserer geistigen Leistungsfähigkeit beraubt!

Wann immer wir etwas als notwendig beurteilen, stellt sich das gesamte Energiesystem unseres Körpers auf Zielerreichung ein. Für einen Teil unseres Gehirns, das Limbisches System genannt wird und das unsere biologischen Prozesse steuert, gibt es nur ein Verständnis für die Beurteilung einer Notwendigkeit – es ist überlebensnotwendig, unsere Körperkraft auszuschöpfen!

Das Limbische System ist evolutionär gesehen viele Millionen Jahre alt. Es ist absolut identisch mit dem von anderen Säugetieren. Was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist nur sein Großhirn.

Dieses System setzt wie gesagt alles daran, dem Körper genügend Energie für die Überlebensnotwendigkeit zur Verfügung zu stellen. Um dies zu gewährleisten, schaltet es in eine Art Leistungsprogramm, bei dem die Energieverwaltung aller Körpersysteme verändert wird. Die Muskeln bekommen in diesem Programm zum Beispiel mehr Vorspannung und der Blutdruck, sowie die Pulsfrequenz werden angehoben. Der Körper ist also permanent auf das Erbringen einer plötzlich notwendigen Leistung vorbereitet. Er wartet darauf, dass es endlich losgeht. Was wir davon spüren, sind meistens die Verspannungen im Rücken oder Nacken und die Probleme mit dem Blutdruck oder dem  Herz-Kreislaufsystem.  

Dieses Mehr an Energie, das die körperlichen Leistungssysteme bekommen, muss jedoch irgendwo anders hergeholt werden. Der Körper holt sie vor allem aus den Systemen, die für die Regeneration der Körperorgane und des Immunsystems zuständig sind.

Dieses neurologische Leistungsprogramm war für den Urmenschen als Kurzfristprogramm zum Jagen oder Flüchten vorgesehen. Es ist kein Problem, ja es ist sogar gesund, regelmäßig für kurze Zeit in dieses Leistungsprogramm zu schalten. So ist es gesund, jeden Tag eine halbe Stunde Sport zu treiben. Es ist jedoch nicht gesund, den größten Teil des Tages mental in diesem Leistungsprogramm zu verbringen. Doch genau das tun fast alle Menschen in unserer Leistungsgesellschaft durch die beiden beschriebenen Motivationsmaßnahmen. Wir alle verbringen zu viel Zeit im Notprogramm!

Die gesundheitlichen Folgen zeigen sich erst nach vielen Jahren. Bedingt dadurch, dass unsere Organe nicht vollständig regenerieren können, da aufgrund des Energiemangels immer nur das Nötigste getan wird, sinkt unsere körperliche und unsere geistige Leistungsfähigkeit über die Jahre des Stresses mehr und mehr. Dies führt dazu, dass wir immer mehr Motivation benötigen, um unseren Aufgaben noch gerecht zu werden. Motivation, die wir uns kurzfristig mit den Maßnahmen schaffen, die uns langfristig unserer Leistungsfähigkeit erneut berauben. Ein Teufelskreis, dem man glücklicherweise ganz leicht entrinnen kann.

Machen wir einfach einen Unterschied zwischen geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit! Die Natur hat für unsere geistige Leistungsfähigkeit ein eigenes Programm eingerichtet. Es wird jedoch von einer ganz anderen Beurteilung gestartet als das Leistungsprogramm des Körpers. Das Limbische System schüttet zur Aktivierung des gewünschten Programms bestimmte Hormone aus, die wir als Spaß empfinden. Haben wir diese Hormone im Blut, wird unsere geistige Leistungsfähigkeit auf 200 Prozent unserer normalen Möglichkeiten hochgeschraubt. Das System schützt sich dabei ganz natürlich vor Überlastung, indem es den Spaß einfach abschaltet, bevor es zu viel wird. Wir hören also einfach auf mit der geistigen Belastung, da wir keine Lust mehr verspüren.

Folgendes ist also zu tun: Beurteile eine Zielsetzung nicht als Notwendigkeit, wenn du deine Geisteskräfte mobilisieren willst. Betrachte sie als tolle Möglichkeit – vielleicht sogar als überaus tolle und geniale Möglichkeit! Dadurch wird diese Möglichkeit sehr bedeutend, was für dein Energiesparprogramm wichtig ist. Du wirst dich also motiviert fühlen. Aber es ist eine Positivmotivation, die von Lust und Spaß getrieben ist, dieses grenzgeniale Ziel zu erreichen, und nicht von der Not, es tun zu müssen. Beurteile weiterhin die Anforderungen, welche deine Ziele mit sich bringen, als von dir gut beherrschbar. Suche nach Gründen, warum du deine Ziele leicht erreichen kannst. Deine Einstellung zum Leben sollte lauten: „Zu leben ist gar nicht so schwer!“; oder wenn möglich sogar: „Mein Leben ist leicht!“

Genau diese Beurteilungen braucht das Limbische System, damit es aufhört, Stresshormone zu produzieren und stattdessen Energie für dein geistiges Leistungsprogramm locker macht. Du wirst geistig leistungsfähig sein, und dein Körper kann endlich wieder richtig regenerieren.

Ich wünsche dir, dass diese Umstellung genauso viel Glück und Spaß in dein Leben bringt, wie sie das bei mir auch getan hat.

Viel Erfolg und alles Liebe.

Bodo (alias Ella Kensington)                                                                       Zurück>>