Wie bringe ich etwas ins Gefühl?

 

Als ich ein Kind war, hatten wir einen sehr lieben Hund. Es war ein Boxer und er hieß Sam. Sam war unglaublich einfühlsam. Wenn du krank warst oder es dir sonst irgendwie schlecht ging, setzte er sich sofort zu dir, damit du dich nicht so alleine fühltest. Das war echt lieb. Man spürte regelrecht körperlich, wie sehr Sam einen mochte. Und natürlich wollte er seine Zuneigung dann auch unbedingt ausdrücken - so, wie Hunde das halt nun mal tun! Das Problem war, dass die Rasse Boxer damals noch so gezüchtet wurde, dass den Hunden ständig der Sabber literweise aus dem Maul triefte. Sam konnte natürlich nichts dafür, aber es war echt eklig. Er war eine regelrechte Schleimfabrik. Und wenn er sich dann auf den Boden legte, blieb natürlich der ganze Dreck an seinem klebrigen Maul hängen.

Du merkst es sicherlich schon. Man konnte Sam so gerne haben, wie man wollte, es blieb eklig! Sam wusste natürlich nach einer Weile ganz genau, dass er das Lecken als Ausdruck seiner Zuneigung lassen sollte, denn er wurde jedes Mal geschimpft. Doch er schaffte es einfach nicht! Vor allem nicht, wenn es dir wirklich schlecht ging. Dann hatte er dich so lieb, dass er sich nicht beherrschen konnte. Er kämpfte lange gegen sein Bedürfnis an, doch er verlor diesen Kampf jedes Mal. Und dann kam überfallartig eine unglaublich große schleimige Zunge angeflogen, die sich mitunter quer über dein Gesicht zog!

Sam fühlte sich danach schuldig. Und wie er sich schuldig fühlte! Das kann sich kein Mensch vorstellen, der das nicht gesehen hat. Ich werde diese traurigen Augen sicherlich mein gesamtes Leben lang nicht vergessen.

Warum ich von Sam erzählt habe? Um aufzuzeigen, dass Hunde, genau wie die meisten Rudeltiere und auch wir Menschen über Schuldgefühle verfügen. Doch im Gegensatz zum Tier werden die Schuldgefühle des Menschen sehr häufig zweckentfremdet und wirken sich für alle Seiten negativ aus.

In den Glückstipps der letzten Monate hatte ich recht ausführlich darüber berichtet, dass es sehr häufig Missverständnisse zwischen dem so genannten Emotionalgehirn und dem Großhirn gibt. Tatsächlich beruhen 99,9 Prozent all unserer schlechten Gefühle auf diesen Missverständnissen und sind damit völlig unsinnig – ja sogar oftmals schädlich für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden oder unsere sozialen Beziehungen. Sehr häufig stellen sie auch regelrechte Erfolgsblockaden dar.

Das Schuldprinzip sorgt seit Jahrmillionen schon dafür, dass das soziale Miteinander von Rudeltieren in geregelten Bahnen verläuft. Dem Emotionalgehirn stehen dazu zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Wir können uns selbst schuldig fühlen, oder wir können anderen Menschen Schuld zuweisen.

Schuldgefühle gehören zur Familie der Vermeidungsgefühle. Sie werden vom Emotionalgehirn als Maßnahme eingesetzt, um uns vor ungerechten Entscheidungen abzuhalten. Wir bekommen beispielsweise Schuldgefühle, wenn wir einen anderen Menschen wissentlich ungerecht behandeln wollen oder bereits behandelt haben. Genauso weisen wir anderen Menschen Schuld zu, wenn diese sich gegenüber anderen wissentlich ungerecht verhalten. Ziel des Schuldprinzips ist also die Gerechtigkeit.

Leider sind die Lebensumstände in unserer modernen menschlichen Zivilisation so komplex und kompliziert geworden, dass das Emotionalgehirn sie alleine nicht mehr bewerten kann. Es ist auf die Beurteilung des Großhirns angewiesen, das extra für diese Aufgabe geschaffen wurde. Doch dem Großhirn ist nicht bewusst, was es dabei tatsächlich Tag für Tag tut!

Die meisten Menschen aktivieren auch dann das Schuldprinzip im Emotionalgehirn, wenn sie etwas nicht geschafft haben, was sie sich vorgenommen hatten oder was ihnen aufgetragen wurde. Oder sie fühlen sich schuldig, weil sie aus Versehen jemandem wehgetan haben – bei einem Unfall oder Missgeschick also. Viele Kinder fühlen sich sogar schuldig, weil ihre Eltern sich getrennt haben. Manche Menschen verwechseln auch Schuld komplett mit Verantwortung, was dann jedes Mal zu einer unsinnigen Aktivierung des Schuldprinzips führt, wenn irgendetwas nicht so gelaufen ist, wie es laufen sollte.

Es gibt sehr viele Gelegenheiten, in denen Menschen das Schuldprinzip starten, obwohl es überhaupt nicht um das Vermeiden von wissentlichen Ungerechtigkeiten geht. Sie führen also ihr Emotionalgehirn in die Irre, fühlen sich dann unsinnigerweise selbst schuldig oder weisen anderen Menschen ungerechtfertigt Schuld zu, was jedes Mal zu erheblichen sozialen Spannungen führt.

Die Praxen von Psychotherapeuten sind voll mit Patienten, die mit Schuldgefühlen zu kämpfen haben und sehr häufig dadurch sogar krank werden. Der Schuldmodus ist in höchstem Maße gesundheitsschädlich – mitunter sogar selbstzerstörerisch. Wer Schuld ist, muss nun mal bestraft werden! So haben wir es gelernt. Unter dieser unbewussten Vorgabe bestrafen sich viele Menschen mitunter über Jahrzehnte selbst und machen sich damit krank oder wehren sich gegen Glück und Erfolg, die ihnen scheinbar nicht zustehen.

Ich kenne ehrlich gesagt nicht sehr viele Menschen, die das Schuldprinzip nur dort anwenden, wofür es von der Natur tatsächlich geschaffen wurde – zum Vermeiden von Willensentscheidungen, die anderen schaden könnten. Egal, wo ich hinschaue, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie es sollte, wird sofort ein Schuldiger gesucht. Unsere Welt könnte so viel schöner sein, wenn dieses Thema ins Bewusstsein aller Menschen gebracht würde.

Schuld ist man nur, wenn man die Konsequenzen seines Handelns absehen konnte und sich dennoch für eine ungerechte Handlungsweise entschieden hat. In solchen Fällen machen sowohl Schuldgefühle als auch die Schuldzuweisungen anderer Menschen, die entsprechende Repressalien nach sich ziehen, einen Sinn. Sie bringen uns dazu, Entscheidungen zu treffen, die auch für unser soziales Umfeld in Ordnung sind. Ziel des Emotionalgehirns ist es, über die Gerechtigkeit das Überleben des Rudels oder sogar der gesamten Gattung Mensch zu gewährleisten.

Schuldgefühle helfen jedoch nachweislich nicht dabei, Fehler zu vermeiden oder besser aufzupassen. Der emotionale Zustand der Schuld beraubt uns unserer geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig zieht er unsere Wahrnehmung von den Ereignissen in unserem Umfeld ab und lenkt sie auf unsere belastenden Gefühle.

Schuldgefühle lassen sich nicht gut verdrängen. Das lässt unser Emotionalgehirn einfach nicht zu, denn dann könnten diese Gefühle ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Um uns die Gefühle als wirklich belastend empfinden zu lassen, wird unsere Aufmerksamkeit sehr stark auf unser Gefühlsleben fokussiert, was gleichzeitig die Wahrnehmung von unserer Außenwelt abzieht.

Wir machen also erst recht Fehler, weil wir durch das Schuldprinzip nicht richtig bei der Sache sein können, die wir zu erledigen haben. Genauso sieht es dann auch in allen anderen Lebensbereichen aus, wo wir das Schuldprinzip durch falsche Beurteilungen zweckentfremden. Dabei ließe sich das alles so leicht korrigieren!

Das Schuldprinzip ist natürlich nicht der einzige emotionale Zustand, der unsinnigerweise ständig von unserem Großhirn aktiviert wird. Es gibt viele dieser Missverständnisse, die korrigiert werden sollten und mit dem richtigen Know-how auch ganz leicht korrigiert werden könnten.

Das grundlegende Verständnis der Zusammenarbeit von Emotionalgehirn und Großhirn kann uns dabei helfen, Missverständnisse zu finden, für die man normalerweise blind ist, weil so ziemlich alle Menschen dieser Welt diesen Missverständnissen erliegen. Wenn alle es tun, fällt es in der Regel nicht auf, dass damit irgendetwas nicht stimmt.

Die Missverständnisse zwischen Emotionalgehirn und Großhirn sind bislang noch kein Forschungsgegenstand der Wissenschaft. Dieses Grundlagenverständnis ist aus unserer Beratungspraxis heraus entstanden und schreit förmlich nach wissenschaftlicher Anerkennung. Ich suche daher Wissenschaftler, die das mit mir gemeinsam erforschen möchten. Solltest du in der Forschung (Schulmedizin, Psychologie, Neurobiologie, Psychoneuroimmunologie, Stressforschung, Glücksforschung usw.) tätig sein und an diesem Projekt Interesse haben, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

Die Verfahren, mit denen wir die Missverständnisse finden und ausräumen können, sind längst entwickelt und für uns Beratungsalltag. Dennoch gibt es noch unzählige Missverständnisse, die wir noch nicht gefunden haben. Es bleibt also spannend.

In diesem Zuge möchte ich die Teilnehmer des nächsten Camps dazu einladen, mit mir im Camp auf die Suche nach solchen Missverständnissen zu gehen. Wir dingen dabei in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat!  Wir gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise zur Quelle unserer Emotionen. Ich freue mich daher auf weitere neue Erkenntnisse mit euch und von euch.

Kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema dieses Glückstipps. Der Titel heißt ja: Wie bringe ich etwas ins Gefühl? Du weißt jetzt, dass du in vielen Alltagssituationen, in denen man dir Schuld zuweist oder in denen du Schuldgefühle aktivierst, nicht wirklich schuldig bist. Du wirst jedoch zunächst feststellen müssen, dass dir dieses Wissen alleine noch nicht weiter hilft.

Neues Wissen hält leider nicht automatisch Einzug in unser Gefühlsleben. Unser Gehirn speichert alle Beurteilungen, die wir treffen, kontextbezogen in unserem Unterbewusstsein ab und greift in einem ähnlichen Kontext (Lebenssituation, in der wir eine bestimmte Absicht verfolgen) wieder auf diese Beurteilung zurück. Dabei ersetzt es veraltete Sichtweisen wie gesagt leider nicht automatisch.

Und so haben wir sehr häufig Gefühle, die nicht auf unser aktuelles Wissen und auf unser aktuelles Verständnis der Welt aufbauen, sondern auf die Sichtweisen früherer Zeiten. Viele davon gehen sogar bis zur frühen Kindheit zurück. Ein Beispiel dazu ist die fehlende Differenzierung zwischen Zuneigung und Anerkennung, über die ich meinen allerersten Glückstipp geschrieben hatte. Diese veralteten Sichtweisen zu aktualisieren, kann ein unglaubliches Glückspotenzial eröffnen.

Die Schwierigkeit beim Aktualisieren veralteter Sichtweisen liegt nun nicht in der Veränderung selbst, sondern im Bewusstwerden der alten Einstellungen und Beurteilungen. Will man den ganzen alten Kram ins Bewusstsein holen, wie man das in den meisten Therapieformen macht, kann das Wochen und Monate, ja sogar manchmal Jahre dauern. Aus diesem Grund verwenden wir bei unserem Glückskonzept eine Methode, mit der wir die Aktualisierung dort vornehmen können, wo die alte Sichtweise in unserem Gehirn auch tatsächlich abgespeichert ist – in unserem Unterbewusstsein.

Wir müssen uns also die alte Einstellung und die alte Beurteilung nicht erst bewusst machen. Wir können sie direkt in unserem Unterbewusstsein aktualisieren. Oft kommt sie danach automatisch ins Bewusstsein. Die Aktualisierung direkt im Unterbewusstsein vorzunehmen benötigt mit etwas Übung dann nur noch wenige Minuten! Damit ist die Methode aufgrund dieser Rekordzeit ein echtes Goldstück unseres Glückskonzeptes.

Sie ist jedoch leider zu komplex, um sie über den Schriftweg zu vermitteln. Sie wird aufgrund ihrer Komplexität nur im Camp gelehrt, da sie auch den Rahmen eines Wochenend-Seminars sprengen würde. Was ich jedoch über diesen Glückstipp vermitteln kann, ist das Grundprinzip, nach der diese Methode arbeitet. Dieses Grundprinzip kann sehr einfach zur bewussten Korrektur von Missverständnissen zwischen den Gehirnen angewendet werden. Es besteht darin, dass unser Gehirn stets daran interessiert ist, seinem Handeln und Fühlen die Wirklichkeit von heute zu Grunde zu legen.

Ich drücke es mal ganz einfach aus: Was du brauchst, um ein altes Gefühlsmuster zu korrigieren, sind zwei Dinge: die Beurteilung, wie es heute wirklich ist und Wiederholung. Solltest du dich also wieder einmal trotz besserem Wissen fälschlicherweise schuldig fühlen oder anderen Schuld zuweisen, wo es in Wirklichkeit keine echte Schuld gibt, dann frage dich einfach wiederholt:

„Wie ist es in Wirklichkeit? Habe ich hier wirklich wissentlich eine rücksichtslose und egoistische Entscheidung getroffen? Oder konnte ich im Vorhinein noch gar nicht wissen, dass meine Handlung falsch ist?“

oder, wenn du einem anderen Menschen die Schuld zuweist:

„Wie ist es in Wirklichkeit? Hat er/sie hier wirklich wissentlich eine rücksichtslose und egoistische Entscheidung getroffen? Oder konnte er/sie im Vorhinein noch gar nicht wissen, dass seine/ihre Handlung falsch ist?“

Behalte dabei im Bewusstsein, dass Wiederholung sehr wichtig ist, damit in deinem Gefühl tatsächlich etwas passiert. Entscheidend dabei ist ebenfalls, dass du die Antworten auf deine Fragen tatsächlich nach bestem Wissen beantwortest und nicht mit deinem alten Gefühl. 80 Prozent aller Menschen neigen dazu, solche Fragen mit dem Gefühl zu beantworten. Genau dieses Gefühl ist es jedoch, das korrigiert werden sollte. Es ist ja falsch und sollte daher auch nicht als Beweis für die Wahrheit herangezogen werden.

Damit eine neue Erkenntnis das alte Gefühl ersetzen kann, muss diese Erkenntnis als Wahrheit oder Wirklichkeit angesehen werden. Betrachte daher die erste Frage bei dieser Methode nicht als bloße Floskel. Es ist die wichtigste Frage überhaupt, wenn man neues Wissen ins Gefühl bringen will. „Wie ist es in Wirklichkeit?“

Ich wünsche dir viel Erfolg mit dieser einfachen aber effektiven Methode. Solltest du Nägel mit Köpfen machen und lernen wollen, deine alten Sichtweisen direkt in deinem Unterbewusstsein in Ordnung zu bringen, dann sehen wir uns im Camp.

Da bei uns ständig Fragen darüber eingehen, wann das nächste Mal ein Camp stattfinden wird, möchte ich dies an dieser Stelle noch einmal beantworten. Wir haben noch keine weitere geeignete Lokation für das Camp gefunden. Das nächste wird daher voraussichtlich erst in einem Jahr stattfinden können.

Dann bis bald und alles Liebe. Ich wünsche dir einen schönen Herbst

 

Bodo Deletz (alias Ella Kensington)                                                                                 Zurück>>