Lebensfreude (2)

 

Wie ich in meinem letzten Beitrag (Lebensfreude) ausgeführt habe, ist es von entscheidender Bedeutung, unser Glück als höchsten Wert in unserem Leben im Bewusstsein zu halten. Schnell schieben sich scheinbar wichtigere Werte in unserem Gefühl nach oben und verdrängen unseren wahren Grundwert.

Wenn wir etwas in unserem Gefühl immer wichtiger machen, wird es irgendwann die höchste emotionale Stufe der Wichtigkeit erreichen - die Notwendigkeit. Wenn das geschieht, vergessen wir sofort, dass es uns bei diesem Wert letztendlich ums Glücklichsein ging. Der Grund: Das Emotionalgehirn empfindet eine Notwendigkeit immer als Überlebensnotwendigkeit.

Sobald wir also zulassen, dass ein Wert in unserem Gefühl so wichtig wird, dass wir seine Erfüllung als Notwendigkeit empfinden, rennen wir wie mit Scheuklappen diesem Wert hinterher. Sogar dann noch, wenn wir dabei sehr viel Leid und Mühen auf uns nehmen müssen. Es geht schließlich ums Überleben.

In Wirklichkeit hängt unser Überleben jedoch so gut wie nie von der Erfüllung dieser scheinbaren Notwendigkeiten ab. Doch darüber denken wir in der Regel einfach nicht nach. Und so wird diese falsche Notwendigkeit nicht korrigiert. Wir setzten fortan alles daran, diesen Wert zu erfüllen, selbst, wenn wir dadurch unsere Gesundheit oder unsere Partnerbeziehung zerstören oder andere ganz gravierende Nachteile in Kauf nehmen müssen. Wir haben uns im Hamsterrad des Alltags verrannt und unseren Weitblick aufs Glücklichsein verloren.  

Zu Anfang rückt das Glücklichsein nur aus dem Bewusstsein. Wir haben es dann scheinbar einfach nur mal kurz vergessen. Würden wir zu diesem Zeitpunkt noch gefragt werden, worum es uns bei der Erfüllung eines Wertes eigentlich geht, so könnten wir diese Frage noch mit dem Grundwert des Glücks beantworten. Nach wenigen Wochen geht jedoch in unserem Gehirn die neurologische Verbindung zum Glücklichsein verloren. Wir wissen dann tatsächlich nicht mehr, warum wir den Wert, den wir zur Notwendigkeit haben werden lassen, eigentlich erfüllen wollen. Wir spüren nur noch, dass das notwendig ist.

Die Vernetzung unserer Neurone aufrecht zu halten, kostet unser Gehirn sehr viel Energie. Daher werden neuronale Vernetzungen, die nicht mehr benötigt werden, nach kurzer Zeit einfach wieder abgebaut. Sobald das geschehen ist, genügt es nicht mehr, sich lediglich wieder bewusst zu werden, warum man einen Wert eigentlich erfüllen wollte. Die neuronale Vernetzung muss wieder neu aufgebaut werden, wenn sich wirklich etwas in unserem Leben ändern soll. Geschieht dies nicht, machen wir weiter wie bisher. Wir rennen trotz besserem Wissen weiterhin unserer Notwendigkeit hinterher, denn dieses bessere Wissen ist nur in unserem Bewusstsein, nicht aber in unserem Gefühl.

Um unseren Weitblick auch neurologisch wieder zurück zu gewinnen und uns das Leben nicht unnötig schwer und unglücklich zu machen, ist es erforderlich, die emotionale Verbindung zum Grundwert des Glücks wieder neu aufzubauen. Dies ist nicht besonders schwierig, aber leider wieder einmal eine kleine Fleißarbeit.

Mir ist bewusst, dass dein innerer Schweinehund das wieder einmal gar nicht gerne hört, aber das menschliche Gehirn schafft nur dann neuronale Vernetzungen, wenn bestimmte Informationen wiederholt auf die gleiche Art und Weise verarbeitet werden. Deshalb übt beispielsweise ein Pianist so lange seine Tonleitern, bis sie ihm in Fleisch und Blut übergegangen sind. Diese Ausdrucksweise beschreibt sehr treffend, was in unserem Gehirn durch Wiederholung neurologisch geschieht.

Und mit der gleichen Wiederholung können wir die Verbindung zum Grundwert des Glücks wieder in Fleisch und Blut übergehen lassen. Ich denke, diese Aufgabe ist deutlich lohnender als gut Klavier spielen zu können. Es geht schließlich um den höchsten Wert von allen – dem Glücklichsein.

Auch, wenn dein innerer Schweinehund mich am liebsten dafür steinigen würde, so möchte ich dennoch unmissverständlich deutlich machen, dass die neuronale Verbindung zum Grundwert des Glücks eine unabdingbare Voraussetzung für ein glückliches Leben ist. Wird diese Voraussetzung nicht geschaffen, rennt man sein gesamtes Leben lang ohne Sinn und Verstand irgendwelchen scheinbaren Notwendigkeiten hinterher und vergeudet sein Leben. Und wer stirbt und hat am meisten Geld gehabt, der hat gewonnen!

Es gibt sicherlich viele Dinge, die man für sein Glück tun kann, aber dies gehört zu den wichtigsten. Es nützt jedoch nichts, sich der Verbindung aller Werte mit dem Grundwert des Glücks im Verstand bewusst zu sein. Diese Verbindung muss gefühlt werden, sonst ändert sich gar nichts. Und sie muss wie gesagt wiederholt gefühlt werden!

Was du also tun kannst: Hinterfrage deine Werte so lange, bis du zum Grundwert des Glücklichseins kommst. Und achte darauf, dass du die Fragen nicht mit dem Verstand sondern mit dem Gefühl beantwortest.

Nehmen wir den Manager aus dem letzten Beitrag als Beispiel. Der erste Wert, den er verfolgte, war die Beförderung. Doch was wollte er mit der Beförderung eigentlich erreichen? Er wollte ganz einfach das Geld. Niemand auf dieser Welt will jedoch Geld, nur weil es so schön aussieht. Wir wollen mit dem Geld etwas anfangen. Was wollte der Manager mit dem Geld erreichen? Er wollte sich die Villa bauen. Und was wollte er mit der Villa erreichen? Er wollte mit seiner gesamten Familie zusammenleben. Und was wollte er durch das Zusammenleben erreichen? Er wollte glücklich sein. Und was wollte er mit dem Glücklichsein erreichen?

Wie du vermutlich spürst, macht es keinen Sinn mehr, diese Frage zu stellen. Wir wollen nicht glücklich sein, um damit etwas zu erreichen. Wir wollen einfach Wohl erleben und Leid vermeiden, denn das empfinden wir als Glück. Dieser Grundwert ist in unseren Genen fest verankert und bestimmt jede Sekunde unseres Lebens.

Natürlich könnte man auch hier mit dem Verstand einige andere Antworten finden. Doch diese Antworten würden am Ende doch wieder zum Glücklichsein führen. Ein Beispiel dazu ist die Realitätsgestaltung. Viele Menschen haben verstanden, dass sie nur dann in ihren Lebensumständen Glück widergespiegelt bekommen können, wenn sie das Glück zuvor in sich tragen. Sie sehen das Glücklichsein auf diese Weise als Mittel zur positiven Realitätsgestaltung an.

Doch warum wollen wir eigentlich die Realität positiv gestalten? Was heißt hier überhaupt positiv? Du merkst sicher schon, es geht natürlich wieder ums Glücklichsein. Kein Mensch würde sich ein leidvolles Leben gestalten wollen. Wir wollen uns stattdessen Wohlstand in jeder Hinsicht gestalten – in finanzieller Hinsicht, bei unserer Gesundheit, in unserer Partnerbeziehung usw. usw. Es geht immer um Wohl und Leid.

Beantworte also die Fragen, was du mit der Erfüllung eines Wertes eigentlich erreichen willst, nicht mit dem Verstand, denn der führt zwar letztendlich auch irgendwann zum Ziel, aber über viele unnötige Umwege. Und damit würden auch diese Umwege Einzug in deine neuronale Vernetzung finden. Ich denke, unsere Psyche ist auch so schon kompliziert genug. Das muss also nicht sein.

Kommen wir also zur Vorgehensweise: Denke an einen Wert, der dir sehr wichtig ist. Etwas, das dir so wichtig ist, dass du tatsächlich etwas dafür tust und nicht nur denkst, es wäre schön, wenn du es hättest. Beispiele, die ich dazu im Seminar häufig verwende sind Geld, Karriere, Liebe, Partnerschaft, Weiterentwicklung, Realitätsgestaltung oder Erfolg.

Denk an diesen Wert und spüre nach, was du damit eigentlich erreichen willst? Du wirst so den nächst höheren Wert fühlen. Hinterfrage dann auch diesen Wert mit der gleichen Frage. Was willst du damit eigentlich erreichen? Und den Wert, den du dadurch findest, hinterfragst du ebenfalls. Das Ganze machst du so lange, bis du beim Glück angelangt bist. D.h. so lange, bis deine Antwort etwas damit zu tun hat, Leid zu vermeiden oder zu reduzieren und Wohl zu erreichen oder zu erhalten.

Beim Hinterfragen kann es sein, dass du auf Werte stößt, bei denen du im ersten Moment gar nicht sagen kannst, was du damit eigentlich erreichen willst. Du willst es, hast aber keine Ahnung warum. Wenn das geschieht, hast du einen Wert gefunden, bei dem die neuronale Verbindung zum Glück vollständig verloren gegangen ist. Schenke dem Hinterfragen dieser Werte deine besondere Aufmerksamkeit, denn diese setzen dir die hartnäckigsten Scheuklappen im Leben auf. Hinterfrage diese Werte also so lange weiter, bis du wieder spüren kannst, was du damit erreichen willst.

Nochmals zur Erinnerung: Beantworte deine Frage immer mit dem Gefühl und nicht mit dem Verstand. Wenn du auf diese Weise die gesamte Wertekette herausgefunden hast, beginnt die Fleißarbeit. Geh diese Kette wieder und wieder durch. Wenn du irgendeine Form von Meditation beherrschst, dann meditiere mit dieser Kette. Wichtig ist, dass du die Verbindung zwischen den einzelnen Werten wirklich wiederholt fühlst. Nur so schaffst du bleibende neuronale Strukturen, die dich dazu bringen, dein Glück auch unbewusst auf direktem Wege anzugehen und dich nicht im Hamsterrad des Alltags zu verrennen.

Falls du das Positiv Fühlen Seminar besucht hast, dann wende die bilaterale Hemisphärenstimulation an, um die Verbindung zwischen den einzelnen Werten zu erschaffen. Geh also einfach in die REM-Phase, während du deine Wertekette im Gefühl durchgehst. Auf diese Weise bringst du deinen Grundwert sehr schnell wieder ins Gefühl.

Ein Mensch, der den Grundwert des Glücks auf direktem Wege angeht, ist gleich um ein Vielfaches glücklicher als ein Mensch, der sich noch im Hamsterrad des Alltags befindet. Es lohnt sich also wirklich, diese kleine Übung zu machen.

Wenn du die bilaterale Hemisphärenstimulation nicht beherrschst, empfehle ich dir für jede bedeutende Wertekette einen 21 Tage Prozess zu machen, denn so lange benötigt das menschliche Gehirn im Allgemeinen, um eine stabile neuronale Vernetzung aufzubauen.

Da dieser Prozess einiges an Zeit benötigt, empfehle ich dir, nur an wirklich wichtigen Werten anzusetzen, die einen großen Einfluss auf dein Denken, Fühlen und Handeln ausüben.

Wenn du also auf der Basis eines dieser wichtigen Werte eine Wertekette ermittelt hast, dann nimm dir 21 Tage lang jeden Tag 10 Minuten Zeit, in der du diese Wertekette emotional wieder und wieder durchgehst. Sei dir dabei bewusst, dass du dabei dein ganzes Leben veränderst und ermögliche deinem Umfeld durch dieses Bewusstsein eine sanfte Anpassung an deine Veränderung. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei und alles Liebe.

 

Bodo (alias Ella Kensington)

 

 

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