Lebensfreude (1)

 

Ein wohlhabender amerikanischer Manager aus New York konsultierte seinen Arzt, weil er sich seit einiger Zeit kraftlos und ausgebrannt fühlte. Er spürte, wie ihm zunehmend alles zu viel wurde und er kaum noch in der Lage war, sich an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen.

Dem Manager stand eine Beförderung in Aussicht, bei der sich sein Gehalt nahezu verdoppeln würde. Auf diese Beförderung hatte er viele Jahre hingearbeitet, was bedeutete, dass er seit mehr als 10 Jahren ca. 12 Stunden täglich im Büro verbrachte und sich am Wochenende noch Arbeit mit nach Hause nahm. Wenn er jetzt nicht durchhalten würde, wäre das alles umsonst gewesen.

Er erzählte dem Arzt, dass er sich durch diese Beförderung seinen größten Lebenstraum verwirklichen könnte. Eine 8 Millionen Dollar Villa, die Platz für seine gesamte Familie bieten sollte. Sein Sohn, dessen Frau und deren Kinder würden den Ostflügel bekommen, seine Tochter mit ihrer Familie den Westflügel. Seine Frau bekäme natürlich das Haupthaus, den schönsten Teil des Anwesens, mit allem, was sie sich nur wünschen könnte. Die Enkel, die er und seine Frau über alles liebten, würden den ganzen Tag im Garten spielen und alle wären miteinander überglücklich. So schwärmte der Mann eine ganze Weile voller Vorfreude und verlor sich in traumhaften Einzelheiten.

Dem Arzt fiel bei all den Schwärmereien irgendwann auf, dass der Manager immer nur von seiner Frau, seinen Kindern und seinen Enkeln sprach, sich selbst aber niemals erwähnte. Daher fragte er ihn direkt: „Und wo sehen Sie sich, wenn sie an ihr Haus denken?“

„Im Büro!“, antwortete der Manager geschockt und schneller als er bewusst denken konnte. Ihm wurde schlagartig klar, dass er durch seine Beförderung zwar das Geld verdienen würde, um sich diese Villa zu finanzieren, er aber dafür täglich 14 bis 16 Stunden arbeiten müsste, wobei er die meisten Wochenenden ebenfalls im Büro verbringen würde. Es war kein Wunder, dass er sich selbst niemals erwähnte, wenn er von seiner Traumvilla schwärmte, denn er selbst gehörte gar nicht dort hin. Er gehörte ins Büro!

Geschockt von dieser Erkenntnis ging er nach Hause und überdachte sein Leben. Das war nicht ganz das, was er sich all die Jahre erträumt hatte. Nein, so wollte er sein Leben sicherlich nicht führen.

Betroffen redete er mit seiner Frau, die entgegen seiner Erwartung sehr froh darüber war, dass er seine Karrierepläne endlich in Zweifel zog. Sie wollte kein größeres Haus und auch nicht noch mehr Luxus. Sie wollte, dass es ihm endlich wieder gut ging und dass er aufhörte, sich permanent zu überlasten. Ihr größter Wunsch war es, wieder mehr Zeit und Liebe mit ihm zu teilen. Und das war schon viele Jahre lang so. Sie hatte unzählige Male versucht, ihm dies klar zu machen, doch er meinte jedes Mal: „Wenn ich erst die Beförderung habe, dann wird alles anders.“ Und er hatte Recht, es würde tatsächlich anders werden, das war ihm jetzt klar - es würde nämlich noch schlimmer!

Nach dem Gespräch mit seiner Frau rief er seinen Sohn an, um ihm schonend beizubringen, dass es mit der Villa nichts werden würde. Sein Sohn verstand erst gar nicht, wovon er sprach, denn sie hatten seit vielen Jahren nicht mehr über dieses Familienanwesen geredet. Seit dem hatte sich viel verändert.

Als der Sohn schließlich kapierte, worum es ging, erwiderte er ehrlich: „Sorry, Dad, mir war nicht klar, dass du immer noch an die Villa denkst. Als ich Zwanzig war, war sie auch für mich ein sehr schöner Traum. Doch jetzt lebe ich mit meiner Frau und den Kindern schon seit 8 Jahren hier in LA. Hier habe ich meinen Job, hier leben unsere Freunde, hier haben unsere Kinder ihre Freunde und ihre Schule. Das würde ich niemals aufgeben.“

Nachdem der Manager auch seine Tochter angerufen hatte und eine sehr ähnliche Antwort bekam, verstand er die Welt nicht mehr. Wie konnte er all die Jahre so blind gewesen sein?! Er hatte sich unbewusst völlig in eine fixe Idee verrannt und vergessen, worum es ihm eigentlich ging. Es war kein Wunder, dass er kaum noch in der Lage war, sich an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen, denn sein Leben bot ihm schon seit zig Jahren nicht mehr viel Schönes.

Die Lebensfreude eines Menschen hängt davon ab, wie sehr er sich im Hamsterrad des Alltags verrannt hat. Sie ist ein direktes Maß dafür, wie groß die Distanz zwischen seinen tatsächlichen und seinen gefühlten Werten ist.

Nehmen wir das Beispiel des Managers, um dies zu verdeutlichen. Sein Ziel war die Beförderung, auf die er seit Jahren hinarbeitete. Er hatte die Beförderung als sehr wertvoll empfunden und entsprechend gehandelt. Die Beförderung hatte also einen gefühlten Wert. In Wirklichkeit war sie jedoch nur ein Mittel zum Zweck. Der tatsächliche Wert war die Traumvilla, die er sich durch die Beförderung ermöglichen wollte.

Doch war die Traumvilla wirklich ein tatsächlicher Wert? Oder war sie vielleicht auch nur ein Mittel zum Zweck? Er hätte die Villa ja haben können! Einfach weiter an der Beförderung arbeiten, danach die 90 Stunden Woche in seinem neuen Job und schon hätte er genug Geld, sich die Villa bauen zu lassen. Doch das wollte er nicht mehr. Der tatsächliche Wert bestand nämlich darin, selbst in dieser Villa mitsamt seiner Familie leben zu können. Eine Villa, die ihn sogar noch stärker von seiner Familie ausschloss, war sicherlich kein erstrebenswerter Wert. Als die Villa durch diese Erkenntnis ihren gefühlten Wert verlor, ließ er sofort von seinen Karriereplänen los, die er seit mehr als 10 Jahren verfolgt hatte.

Wir haben also den tatsächlichen Wert erkannt, den der Manager jahrelang verfolgte. Oder vielleicht doch noch nicht? Was meinst du? Hätte er das Leben in dieser Villa mit seiner Familie immer noch gewollt, wenn ihm klar geworden wäre, dass alle in diesem Haus, aus welchem Grund auch immer, miteinander grottenunglücklich geworden wären? War also tatsächlich das Zusammenleben in dieser Villa der Wert, oder war dies ebenfalls nur ein Mittel zum Zweck?

War also das glückliche Leben der tatsächliche Wert, den der Manager anstrebte? Theoretisch schon, aber er hatte diesen Wert längst aus den Augen verloren. Es war kein gefühlter Wert, also hatte er auch keinen Einfluss auf die Lebensweise dieses Mannes. Es lag eine zu große Distanz zwischen dem gefühlten Wert der Karriere und dem tatsächlichen Wert des glücklichen Lebens. Also konzentrierte er sich im Hier und Jetzt ganz auf die Karriere und schob sein Glück in die Zukunft. Dabei opferte er seine Gesundheit, nahm sehr viel emotionalen und geistigen Stress in Kauf und ließ es zu, dass sein gefühlter Wert ihm und seiner Frau die wertvollste Zeit ihres Lebens und ihrer Liebe stahl. Zeit, die er niemals würde zurückgewinnen können. Hätte er seinen tatsächlichen Wert im Gefühl gehabt, wäre ihm das alles nie passiert.

Wie sieht es bei dir aus? Wie groß ist bei dir die Distanz zwischen deinen gefühlten und deinen tatsächlichen Werten? Um dies herauszufinden, ist es sinnvoll, sich erst einmal der eigenen gefühlten Werte bewusst zu werden.

Gefühlte Werte bestimmen im Gegensatz zu nicht gefühlten - also nur theoretischen Werten - unser Denken und unser Handeln. Du brauchst dir daher nur anzuschauen, was dich tatsächlich tagtäglich beschäftigt. Für welche Werte suchst du tatsächlich nach Wegen und Möglichkeiten, und für welche suchst du nicht? Für welche Werte tust du tatsächlich alles, was getan werden sollte und für welche tust du nicht genug?

Die meisten Menschen wollen z.B. eine bessere Figur. Ist dies ein gefühlter Wert von hoher Intensität, tun sie tatsächlich etwas dafür. Wird der Wert nicht stark genug gefühlt, denken sie immer nur daran, dass sie eigentlich etwas tun sollten.

Gehörst du eher zu den Menschen, die von den großen Werten des Lebens angetrieben werden, oder sind es eher die vielen kleinen Dinge des Alltags, die dich den größten Teil des Tages beschäftigen? Natürlich sind wir hier alle mehr oder weniger eine Mischform. Wir verfolgen große und kleine Werte. Aber welche überwiegen? Womit beschäftigst du dich die überwiegende Zeit des Tages?

Ist es dein Erfolg, deine Karriere oder das Geld? Oder suchst du nach den besten Wegen zur persönlichen Weiterentwicklung, Selbstverwirklichung, Erleuchtung? Kreisen deine Gedanken um die besten Möglichkeiten zur Lösung deiner emotionalen Probleme? Suchst du nach den besten Wegen zur Liebe, Sexualität, Partnerglück? Beschäftigst du dich viel mit deiner geistigen oder körperlichen Gesundheit? Suchst du nach Wegen, anderen Menschen zu helfen oder gar die Welt zu retten? Suchst du aktiv nach den besten Methoden zur Realitätsgestaltung oder zum Glücklichsein?

Oder sind es eher die kleinen Werte des Alltags, die den Großteil deines Tagesablaufs ausfüllen? Die Erfüllung der beruflichen Aufgabe, die du diese Woche zu bewältigen hast z.B. Verwendest du für diese und solche Aufgaben viel Zeit auf der Suche nach den besten Lösungen? Oder suchst du nach dem besten Weg, dein Geld anzulegen? Bist du vielleicht häufig mit der Gestaltung deiner Wohnung oder deines Gartens beschäftigt und deine Gedanken kreisen um die schönsten Einrichtungsgegenstände oder Pflanzen? Denkst du viel über dein Hobby nach und suchst hierbei nach den besten Möglichkeiten: die beste Angelausrüstung, das beste Motorrad, die besten Sportschuhe? Wie viel Zeit verwendest du damit, gut angezogen zu sein? Wie stark beschäftigt dich die Suche nach den besten Preisen?

Mit welchen Werten beschäftigst du dich also tatsächlich? Wo suchst du nach den besten Wegen und Möglichkeiten? Wo handelst du? Und welche dieser Dinge sind wider Erwarten gar keine echten gefühlten sondern nur theoretische Werte?  

Nimm dir jetzt eine viertel Stunde Zeit bevor du weiter liest und unterscheide deine gefühlten von deinen theoretischen Werten. Sich dessen bewusst zu werden, ist eine unabdingbare Voraussetzung für ein Leben voller Lebensfreude. Diese Übung ist mit anderen Worten von unschätzbarem Wert für dein Lebensglück.

In den Jahren 2000 bis 2002 hinterfragten wir die Werte von über 3000 Seminar- und Camp-Teilnehmern. Wir wollten ihnen helfen, sich ihrer höchsten Werte im Leben bewusst zu werden, um dadurch Irrwege zu vermeiden. Mittlerweile gilt das Ergebnis unserer Befragungen längst als eine wissenschaftlich gesicherte Tatsache. Alle Menschen streben nur nach einem Wert. Alle anderen gefühlten Werte sind in Wirklichkeit lediglich Mittel zum Zweck. Der Grundwert, um den es uns letztendlich geht heißt Glück!

Wie ich im Kursbeitrag „Hoffnung und Erlösung“ bereits ausführlich erörtert habe, bedeutet Glück sowohl die Abwesenheit von Leid als auch die Anwesenheit von körperlichem, geistigem und seelischem Wohl. 

Unser Glück ist der tatsächliche Grundwert, um den es uns letztendlich immer geht. Das Streben nach Glück ist die stärkste Macht in unserem Leben. Dieser Grundwert ist sogar stärker als unser Überlebenstrieb, was leider viel zu viele Menschen jedes Jahr demonstrieren, indem sie ihrem Leben ein freiwilliges Ende setzen. Wir wollen nicht einfach leben, um zu überleben. Wenn wir keine Chance mehr dazu sehen, unser Leid loszuwerden und unser Wohl zu erreichen, verlieren wir schnell den Willen zum Leben.

Niemand weiß wirklich, wohin das Universum, der Liebe Gott, oder wie immer wir diese übergeordnete Instanz auch nennen mögen, uns letztendlich führen will. Ist es die Erleuchtung, eine höhere Daseinsebene, die allumfassende Liebe, oder sollen wir einfach nur das Leben erleben? Tatsache ist, dass uns allen der gleiche irdische Grundwert genetisch unauslöschlich einprogrammiert ist. Wenn diese höhere Instanz uns irgendwo hinführen will, dann sind unser Wohl und unser Leid sicherlich die Wegweiser dorthin. Denn je weiter wir von unserem Weg abweichen, desto unglücklicher werden wir.

Wie weit bist du von deinem Weg abgewichen? Wie groß ist die Distanz zwischen deinen gefühlten Werten und deinem tatsächlichen Grundwert? Schauen wir uns dazu einmal ein paar Werte an, die in unserer Kultur für gewöhnlich unseren Lebensalltag bestimmen.

Viele Menschen definieren beispielsweise den finanziellen Wohlstand als Wert. Sie setzen dann genau wie der Manager alles daran, diesen Wert zu erfüllen. Natürlich hat dieser gefühlte Wert etwas mit unserem Glück zu tun. Wenn wir nicht genug zu essen und kein Dach über dem Kopf haben, werden wir zwangsläufig leiden. Das war’s dann aber auch schon. Sobald wir genug haben, um unser nacktes Überleben zu sichern, bewirkt eine Zunahme unseres Wohlstands weder eine weitere Reduktion unseres Leids noch eine Steigerung unseres Wohls.  In der Glücksforschung wimmelt es nur so von Studien, die dies belegen.

Was aber geschieht, wenn der gefühlte Wert des Geldes stärker wird als unser tatsächlicher Grundwert? Ganz einfach: Wir nehmen genau wie der Manager erhebliches Leid sowie eine deutliche Einschränkung unseres Wohls in Kauf, nur um mehr Geld zu bekommen, mit dem wir doch eigentlich unser Wohl vermehren und unser Leid verringern wollten. Der Schuss ging dann wohl nach hinten los! Und je größer die Distanz zwischen dem Wert des Geldes und unserem tatsächlichen Grundwert in unserem Gefühl ist, desto schlimmer wird es. Die Lebensfreude, die uns eigentlich täglich durchs Leben begleiten sollte, wird dabei einfach aufgeschoben. Und sollten wir diesen Irrweg nicht korrigieren, wird mit den Jahren alles immer schlimmer.

Wenn dies bei dir bereits der Fall ist, dann ist hier uns jetzt der Augenblick der Wahrheit gekommen. Willst du dein Leben wirklich so weiter leben? Willst du diesen Irrweg wirklich weitergehen, obwohl klar ist, dass du dir damit das Leben versaust? Willst du immer mehr unnötiges Leid in dein Leben ziehen und auf deine Lebensfreude verzichten? Wenn nicht, dann mach dir klar, worum es dir im Leben tatsächlich geht. Mach es dir so lange klar, bis du wieder fühlst, dass dir dein Glück wichtiger ist als das Geld.

Wenn du dies geschafft hast, hat das Geld wieder seinen vorgesehenen Stellenwert als Existenzgrundlage in deinem Leben angenommen. Du wirst Mittel und Wege finden, dein Geld auf eine Art und Weise zu verdienen, die dir unnötiges Leid erspart und bei der du dich wohl fühlen kannst. Das bedeutet nicht, dass du jetzt deinen Job kündigen sollst. In aller Regel bedeutet es nur, dass du deinen Job mit einer anderen Einstellung und mit sehr viel mehr Lebensfreude machen wirst.

Es ist nicht schwierig, die gefühlten Werte im Leben wieder ins rechte Licht zu rücken. Aber es ist eine Fleißarbeit! Und die benötigt wie immer eine Menge Motivation, damit man es tatsächlich durchzieht. Mach dir daher bewusst, was du tatsächlich gewinnst und wie dein Leben weiterhin verlaufen wird, wenn du es nicht tust. Welches Leben willst du? Die Entscheidung liegt bei dir! Wenn du die Sache nicht in Ordnung bringst, wird sie nicht in Ordnung kommen.

Schauen wir uns noch ein weiteres Beispiele an, wo in unserer Zivilisation für gewöhnlich die Wertehierarchien durcheinander gekommen sind. Viele Menschen empfinden z.B. eine glückliche Partnerschaft als extrem hohen Wert. Daran ist grundsätzlich auch nichts auszusetzen. Es sei denn dieser Wert wird in unserem Gefühl wichtiger als unser Grundwert des Glücklichfühlens.

Die meisten von uns verfolgen am Anfang einer Beziehung noch unseren Grundwert. Wir wollen mit dem geliebten Menschen am liebsten ununterbrochen zusammen sein, weil uns das alleine schon unglaubliche Wohlgefühle beschert. Diese wunderschöne lebensfrohe Zeit hält jedoch nur so lange an, wie wir unseren Grundwert nicht aus den Augen verlieren.

Schnell kann es nämlich passieren, dass wir aus der Partnerbeziehung einen eigenständigen gefühlten Wert machen, der sich wichtiger anfühlt als unser tatsächlicher Grundwert des Glücklichfühlens. Wenn dies geschieht, ist die Verliebtheitsphase von einer Minute zur nächsten beendet. Stattdessen fangen wir sofort an, an unserer Beziehung zu arbeiten!

Die meisten von uns haben eine klare Vorstellung davon, wie eine glückliche Beziehung zu sein hat. Also versuchen wir, uns selbst und unseren Partner dazu zu bringen, dieser Vorstellung zu entsprechen. Dabei vergessen wir sehr schnell, dass es uns in Wirklichkeit darum geht, uns miteinander glücklich zu fühlen.

Vielmehr gehen wir jetzt sogar davon aus, dass wir uns unter den gegebenen Umständen miteinander gar nicht glücklich fühlen können, obwohl wir das zuvor selbst erlebt haben. Doch nun muss die Beziehung erst einmal den vorhandenen Vorstellungen entsprechen. Zur Erfüllung dieser Vorstellungen sind wir dann auch bereit, eine ganze Menge an Leid sowie deutliche Einschränkungen unseres Wohls in Kauf zu nehmen, damit wir uns dann irgendwann wieder glücklich fühlen können. Ganz schön bekloppt, aber so ticken wir.

Wird diese Werteverschiebung nicht korrigiert, wird das gemeinsame Leid immer schlimmer und das gemeinsame Wohl immer weniger. So lange, bis wir es nicht mehr aushalten können und uns trennen. Wir reden uns dann ein, der Partner wäre nicht der richtige für uns gewesen.

Manche machen sich auch selbst für die Misere verantwortlich und fangen an, an ihrer Beziehungsfähigkeit zu zweifeln – allen voran an ihrer Fähigkeit zu lieben.  Dies sind die Momente im Leben, in denen wir der Liebe und möglicherweise auch der Eigenliebe einen eigenständigen Wert beimessen. Und schnell machen wir diese Werte in unserem Gefühl stärker als unseren Grundwert.

Die vielen Lebenshilfe Ratgeber, die sich mit den Themen Liebe und Eigenliebe befassen, sind ein Zeugnis dafür, wie viele Menschen von diesem Problem betroffen sind. In der Regel machen es diese Ratgeber dann leider nicht besser. Ich sage dies, obwohl ich weiß, dass mich jetzt viele meiner Leser am liebsten wieder steinigen würden. Aber ich möchte mit meinen Kursbeiträgen etwas bewirken und das geht nicht, wenn ich nicht darauf aufmerksam mache, wo etwas offensichtlich in die falsche Richtung läuft. Besagte Ratgeber geben sicherlich ein paar gute Tipps, wie man sich in der einen oder anderen Situation verhalten sollte, aber sie verstärken meistens den Wert der Liebe und der Eigenliebe noch mehr, was wiederum zu einem noch größeren Problem führt. Wir setzen uns dadurch die Liebe oder die Eigenliebe zum Ziel.

Sehen wir die Liebe als Ziel, dann bedeutet das automatisch, dass wir momentan noch nicht angekommen sind und den Weg dorthin erst noch suchen oder erarbeiten müssen. Doch die Liebe ist nicht unser Ziel, sie ist unser Weg! Sie ist etwas, was wir einfach tun können. Kein Mensch muss lernen, wie man liebt. Das kann bereits jedes Kind, wenn es auf die Welt kommt. Sehen wir die Liebe als Weg, um unseren Grundwert zu erfüllen, dann tun wir es einfach. Wir tun es, weil wir uns dabei sauwohl fühlen, genau wie in der Phase der größten Verliebtheit.

Wenn du Liebe und Eigenliebe wirklich leben möchtest, dann sorge dafür, dass du dein Glücksempfinden noch wichtiger findest als die Liebe. Einen anderen Weg gibt es nicht. Die Liebe ist der wichtigste Weg, um glücklich zu sein, aber sie ist der Weg und nicht das Ziel. Sobald sich dies in deinem Gefühl verinnerlicht hat, wirst du automatisch Liebe zu dir selbst und anderen Menschen empfinden. Du wirst es einfach tun, weil du dich glücklich fühlst, wenn du es tust.

Zu lieben ist gar nicht so schwer. Es ist jedenfalls keine Frage des Könnens sondern des Wollens. Um dies nachempfinden zu können, möchte ich an ein Gedankenexperiment aus einem früheren Kursbeitrag anknüpfen. Es ging darin um einen verrückten Milliardär, der dir für jede Minute, die du in den nächsten 10 Minuten mit glücklichen Gefühlen verbringst, eine Million Euro schenkt. Stell dir vor, er böte dir diesen Gewinn nur dann, wenn du Liebe empfindest. Wie viele von diesen 10 Millionen würdest du mitnehmen? Die ganzen 10 Millionen, oder?!

Wenn du also mehr Liebe in dein Leben bringen möchtest, dann sorge dafür, dass du tatsächlich Liebe empfinden willst. Gib deinen glücklichen Gefühlen den Stellenwert, den sie von Natur aus tatsächlichen haben. Sobald dieser Wert wieder wichtiger ist als alles andere, wird die Liebe den Stellenwert als Weg aller Wege zum Glück einnehmen. Dann hast du sofort genug Motivation, es tatsächlich zu tun. Du wirst lieben, wann immer es irgendwie möglich ist und einfach nur deswegen, weil es sich saugeil anfühlt.

Der Verlauf deines weiteren Lebens liegt also wieder einmal bei dir. Willst du ein Leben voller Glück und Liebe, oder willst du dir das Leben und die Liebe künstlich schwer machen? Mach dir erneut bewusst, was du tatsächlich gewinnst und wie dein Leben weiterhin verlaufen würde, wenn du es nicht tun würdest. Welches Leben willst du also?

Wenn du dich entschieden hast, dann denke einfach mehrmals täglich darüber nach, wie wichtig dir dein Glücksempfinden tatsächlich ist. Vergleiche dann die Wichtigkeit der Liebe, der Eigenliebe oder der Partnerschaft mit der Wichtigkeit deines Glücks und höre erst dann damit auf, wenn du dein Glück als wichtiger empfinden kannst. Es geht dabei jedoch nicht um das, was du vom Kopf her weißt, sondern um das, was du tatsächlich fühlst.

Abschließend möchte ich noch ein drittes Beispiel benennen, wo unsere Wertehierarchie durcheinander gekommen sein könnte. Viele meiner Leser halten die positive Realitätsgestaltung für sehr wichtig. Sie haben mit anderen Worten einen hohen Wert daraus gemacht. Ist dieser Wert höher als ihr Grundwert, gibt es sofort wieder Probleme. Die positive Realitätsgestaltung wird schnell zur Notwendigkeit, was zur Folge hat, dass sich ständig irgendein Mist gestaltet.

Sollte dies bei dir der Fall sein, dann empfehle ich dir dringend, deinen wahren Grundwert wieder ins Gefühl zu bringen. Sobald dein Glück (Zur Erinnerung: körperliches, geistiges und seelisches Wohl und die Abwesenheit von Leid) wieder den gefühlten höchsten Stellenwert einnimmt, wirst du deine Realität automatisch glücklich gestalten, denn wie heißt es so schön: Wie innen, so außen!

Es ist egal, welche Werte in deinem Gefühl wichtiger geworden sind als dein Grundwert - ob es nun deine Gesundheit, dein Erfolg, deine spirituelle Weiterentwicklung, die Lösung deiner Probleme, die Liebe oder was auch immer ist. Wann auch immer dies passiert, verlierst du deinen wahren Wert aus den Augen und befindest dich sofort auf Irrwegen, die unnötiges Leid und Mühe in dein Leben ziehen und deine Lebensfreude reduzieren. Wenn du das nicht willst, dann solltest du deine Wertehierarchie in Ordnung bringen. Dabei wirst du einen sehr angenehmen Nebeneffekt feststellen. Wird das Glück beständig als höchster Wert empfunden, sorgt dies für eine anhaltend starke Motivation, tatsächlich etwas dafür zu tun.

Ich weiß nicht, wie intensiv du beispielsweise das Positive Fühlen praktizierst. Es ist eine sehr einfache Technik, die so gut wie jeder anwenden kann. Und es ist die weltweit einzige Methode, mit der es möglich ist, permanent auf einem hohen Glücksniveau zu bleiben. Der neurobiologische Aufbau unseres Körpers lässt hier sehr wenig Spielraum. Zwar kann man eine ganze Menge dafür tun, dauerhaft Leid zu reduzieren, aber das alleine macht noch nicht anhaltend glücklich. Man ist nur weniger unglücklich. Richtig glücklich ist man nur, wenn man sich auch wirklich glücklich fühlt. Ein anhaltendes Glücksempfinden ist jedoch im neurologischen Zusammenspiel zwischen Großhirn und Emotionalgehirn nicht vorgesehen. Alleine unser Körper bietet uns hier ein Hintertürchen, das wir mit dem Positiven Fühlen nutzen können.

Es ist wie gesagt eine einfach zu erlernende, aber sehr effektive Methode. Die Hälfte meiner Seminar-Teilnehmer bekommt nach ca. 2 Stunden des Übens bereits Gänsehaut vor lauter Glücksgefühlen. Dennoch gehe ich jede Wette ein, dass sehr viele es einfach nicht mehr tun. Und das obwohl sie über mehrere Wochen und Monate erlebt haben, wie grenzgenial das Leben tatsächlich sein kann, wenn man es konsequent tut.

Sie tun es nicht mehr, weil ihnen die Motivation abhanden gekommen ist. Und das passiert, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, immer auf die gleiche Weise. Im Alltag schieben sich immer wieder Werte in ihr Leben, die sie im Gefühl wichtiger werden lassen als ihr Glücksempfinden. Sobald das passiert, wird die Motivation komplett zum neuen gefühlten Wert umgeleitet.

Aus diesem Grund arbeite ich zurzeit an einem neuen Projekt, das es allen Teilnehmern leicht machen wird, langfristig motiviert zu bleiben. Es wird das größte Projekt, das ich je angegangen bin. Es ist jedoch kein neues Buch, wie du jetzt vielleicht annimmst. Es hat mehr mit Bild und Ton zu tun. Mehr wird aber noch nicht verraten. Jedenfalls werde ich sicherlich ein Jahr oder mehr mit diesem Projekt zu tun haben. Daher werden die beiden Seminare im September 2010 vorerst die letzten Positiv Fühlen Seminare sein, die ich selbst leite. Andere Seminarleiter werden jedoch meinen Platz einnehmen und das Positiv Fühlen Seminar fortführen.

Bis mein neues Projekt soweit ist, liegt es an dir, deine Motivation aufrecht zu halten, indem du dir immer wieder klar machst, worum es dir im Leben tatsächlich geht. Dies ist die einzige Möglichkeit, ein wirklich durch und durch glückliches Leben zu führen, und das nicht irgendwann in ferner Zukunft, wenn du dir dann deine Traumvilla gebaut hast, sondern hier, jetzt und immer. Verlierst du deinen Grundwert aus den Augen, verlierst du auch sofort dein Glück aus den Augen.

Ich kann dir daher nur sagen - und ich meine es wirklich vom ganzem Herzen und ohne einen Funken böser Absicht: Krieg endlich den Arsch hoch und bring ins Gefühl, worum es dir im Leben wirklich geht!!! Es ist deine einzige Chance auf ein glückliches Leben.

Wenn du es tust, wird ein neues Leben für dich beginnen. Du wirst keinen Tag länger so weitermachen wollen wie bisher. Du wirst keine Irrwege mehr gehen und dir damit all das unnötige Leid und die Mühen ersparen, mit denen diese Irrwege verbunden waren. Du wirst stattdessen permanent all dein Wissen und deine Fähigkeiten einsetzen, um ein glückliches Leben im Hier und Jetzt zu führen. Und wenn du diese Fähigkeiten auf Weltklasseniveau erweitern möchtest, dann freue ich mich darauf, dir im Positiv Fühlen Seminar oder im Camp alles beizubringen, was du dazu brauchst. Zu den glücklichsten Menschen dieser Welt zu gehören, wird dann keine große Kunst mehr für dich sein. Voraussetzung ist jedoch auch dann noch, dass du deinen tatsächlichen Grundwert immer klar vor Augen behältst.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine wundervolle Zeit und die Kraft und den Mut, dein Glück jetzt endlich anzupacken. Alles Liebe

Bodo (alias Ella Kensington)

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