Glück und/oder Zufriedenheit                                         

 

Wie ich in meinem vorletzten Glückstipp „Glückliche Momente oder große Ziele?“ beschrieben habe, ist das Erreichen großer Lebensziele für unser Lebensglück nicht im Entferntesten so bedeutend wie der Genuss scheinbar unbedeutender Glücksmomente.

 

Wenn ich in diesem Zusammenhang von Lebensglück spreche, dann meine ich unser tatsächliches alltägliches Glücksempfinden. Dieses Glücksempfinden wird gemessen, indem Versuchspersonen über Wochen hinweg alle 5 Minuten ihr momentanes Glücksniveau auf einer Skala von 1 bis 10 in einen kleinen Computer eintragen. Es geht also bei diesen Sozialstudien um tatsächlich empfundenes Glück und nicht um den Grad der Lebenszufriedenheit.

 

Zufriedenheit ist eines von vielen Glücksgefühlen, die für unser alltägliches Glücksempfinden von Bedeutung sind. Genau wie alle anderen Gefühle empfinden wir das Gefühl der Zufriedenheit für einige wenige Minuten. Dann lösen sich die Hormone, die das Gefühl ausgelöst haben, im Körper wieder auf und machen Platz für andere Gefühle. Auf diese Weise erleben wir täglich eine einzigartige Komposition von verschiedensten Gefühlen.

 

Zufriedenheit ist also kein Gefühl, das uns den gesamten Tag lang begleitet. Auch kommt dieses Gefühl nicht einfach über uns. Wir müssen es machen. Das Gleiche gilt auch für die Unzufriedenheit!

 

Zufriedenheit und Unzufriedenheit sind das emotionale Ergebnis eines Vergleiches, den wir bewusst oder unbewusst anstellen. Wir vergleichen, was wir haben, mit dem, was wir wollen. Stellen wir diesen Vergleich nicht an, fühlen wir weder Zufriedenheit noch Unzufriedenheit.

 

Wollen wir beispielsweise ein eigenes Haus, fühlen wir uns zufrieden, sobald wir dieses Ziel erreicht haben. Diese Zufriedenheit fühlen wir jedoch wie gesagt nicht ununterbrochen den gesamten Tag lang. Wir fühlen sie nur in den Momenten, wo wir daran denken, dass wir erreicht haben, was wir wollten. Denken wir an etwas anderes, fühlen wir auch etwas anderes. Sind es schöne Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, erleben wir Glücksmomente. Sind es unangenehme Dinge, erleben wir unangenehme Gefühle. Auch dann, wenn wir uns mit diesen unangenehmen Dingen in unserem schönen eigenen Haus beschäftigen. (Zum Beispiel mit der Steuererklärung - würg!)

 

Das Gleiche gilt auch für das Thema Partnerbeziehung. Paare fühlen sich laut Umfragen zufriedener als Singles. Hier könnte man sich wundern, dass Paare laut anderen Sozialstudien nicht glücklicher sein sollen als Singles. Schaut man sich jedoch den Unterschied zwischen Glücksempfinden und Zufriedenheit an, wird dieser scheinbare Widerspruch klar. Paare empfinden in ihrem Alltag nicht mehr Glücksmomente als Singles. Sie beurteilen sich nur als zufriedener, weil sie eine Partnerschaft als wichtiges Ziel in ihrem Leben sehen, das sie offensichtlich erreicht haben. Die wenigsten Paare denken jedoch täglich darüber nach, dass sie erreicht haben, was sie wollten. Aus diesem Grund fällt die Zufriedenheit in Bezug auf das erreichte Ziel kaum ins Gewicht, wenn Paare dazu aufgefordert werden, alle 5 Minuten ihr Glücksempfinden in besagten Computer einzugeben.

Paare sind also nicht wirklich glücklicher, sondern beurteilen sich lediglich so, in den Momenten, in denen sie nach ihrer Lebenszufriedenheit gefragt werden.

 

Wenn man die Menschen nach dem Grad ihrer Zufriedenheit befragt, bekommt man selten eine wirklich positive Antwort. Und genau an diesem Punkt könnten wir etwas ändern! :-)

 

Momentan bestimmen unsere großen Ziele im Leben noch darüber, ob wir zufrieden sind oder nicht. Wir schauen uns an, was wir im Leben erreichen wollten und vergleichen es mit dem, was wir bereits erreicht haben. Dieser Vergleich fällt selten vollständig positiv aus und macht uns oft eher unzufrieden.

 

Im Gegensatz zur Zufriedenheit kann die Unzufriedenheit leider zu einem lange anhaltenden Gefühl werden. In diesem Punkt ist die menschliche Natur nicht wirklich gerecht zu uns. Wir empfinden das Vermeiden von Missständen als 10 Mal so wichtig wie das Erreichen angenehmer Lebensumstände. Ist also in unserem Leben etwas nicht in Ordnung, müssen 10 andere Umstände wirklich total in Ordnung sein, um die Balkenwaage zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Ein gutes Beispiel dazu ist die Partnerbeziehung. Stell dir vor, du hast einen Partner, der dich aufrichtig liebt. Und du liebst ihn. Ihr habt die gleichen Ziele im Leben und passt wirklich gut zusammen. Ihr versteht euch blendend und seid beide gesund. Und auch was den Sex betrifft, harmoniert ihr gut miteinander. Bis auf eine kleine Unstimmigkeit. Er/Sie will nicht so häufig Sex wie du. Wie gesagt die Qualität der sexuellen Beziehung ist vollkommen in Ordnung. Es geht nur um die Quantität.

 

Die Praxen von Psychologen und Therapeuten sind voll mit Paaren, die genau dieses Problem haben. Alle empfinden es als überaus wichtig, diesen Missstand zu ändern. Die meisten positiven Aspekte der Partnerbeziehung treten dabei stark in den Hintergrund und haben kaum noch einen Einfluss auf das alltägliche Glücksempfinden.

 

Wie gesagt, es ist eine kleine Gemeinheit der Natur, dass wir 10 Mal so stark Unangenehmes vermeiden wollen, wie wir Angenehmes genießen. Offenbar bot dieses Verhältnis dem Frühmenschen wieder einen Überlebensvorteil. Doch für die Lebenszufriedenheit ist dieses Verhältnis ein echtes Kreutz.

 

In meinem letzten Glückstipp habe ich beschrieben, dass Glücksmomente für unser Lebensglück bedeutender sind als unsere Ziele. Diese Tatsache ermöglicht es uns, den Grad unserer Lebenszufriedenheit erheblich zu steigern. Im Grunde genommen steigern wir unsere Zufriedenheit am einfachsten dadurch, dass wir aufhören, Unzufriedenheit auszulösen. Wir müssen also nichts tun, sondern eher etwas lassen!

 

Einen wichtigen Schritt dazu hast du schon getan, wenn du den vorletzten Glückstipp umgesetzt hast. Durch die Neuordnung deiner Prioritäten hast du den Glücksmomenten in deinem Leben ein höheres Gewicht gegeben. Dies führt automatisch dazu, dass du deine Ziele, mit denen du deine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit erzeugst, nicht mehr als so wichtig ansiehst. Sie lösen demzufolge auch nicht mehr das gleiche Maß an Unzufriedenheit aus, wenn du diese Ziele noch nicht erreicht hast. Dennoch bleibt sicherlich ein gewisser Einfluss dieser Ziele erhalten.

 

Daher mein Glückstipp:

Wann immer du dich unzufrieden fühlst, mach dir bewusst, dass die Ziele, die du bisher nicht erreicht hast, nicht notwendig sind, um glücklich sein zu können. Es ist schön, wenn du sie erreichst, aber nicht wirklich notwendig. Mach dir dies wiederholt bewusst. Damit nimmst du deinen Zielen die Macht, dich unzufrieden zu machen.

Stattdessen solltest du dir bewusst machen, wie viele schöne Momente es in deinem Leben jeden Tag gibt. Momente, die dich glücklich machen können. Wenn das Erleben von Glücksmomenten dein Ziel ist, dann kannst du auf diese Weise sehr zufrieden mit deinem Leben sein!

 

Mach also den Genuss der vielen Glücksmomente zum wichtigsten Ziel in deinem Leben. Alles andere sind Ziele, deren Erreichung zwar schön, aber für dein Glück nicht notwendig ist.

 

Da sich die Prioritäten in unserem Gefühl sehr schnell verändern können, wäre es sinnvoll, die Entscheidung für die Glücksmomente in regelmäßigen Abständen aufzufrischen, damit dich die übliche Unzufriedenheit nicht gleich wieder in seinen Bann zieht. Ich empfehle dazu noch einmal die Vorgehensweise, die ich im letzten Glückstipp (Die gute Gewohnheit) beschrieben habe.

 

Zusätzlich ist es sinnvoll, darüber Gespräche mit deinen Freunden zu führen. Dies ist und bleibt der einfachste Weg zur Umsetzung aller Glückstipps.

 

Solltest du den Neubeurteilungsprozess beherrschen, wie er in meinem Buch „Glücksmomente“ beschrieben ist, stellt dieser Prozess die effektivste Umsetzungsmaßnahme für die Glückstipps dar. Damit machst du die beschriebenen Erkenntnisse zu einem Teil deiner Persönlichkeit.

Bevor du jetzt dieses Buch kaufen willst, möchte ich zu bedenken geben, dass die beschriebene Methode recht anspruchsvoll ist und das alleinige Erlernen aus dem Buch bisher nur wenigen Menschen vollständig gelungen ist. Solltest du es dennoch versuchen wollen, wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg dabei.

Ich wünsche dir ein glückliches und zufriedenes Leben.

 

 

Bodo (alias Ella Kensington)                                                                                             Zurück>>