Geld und Erfolg

 

Vor vielen Jahren kam ein junger Mann mit finanziellen Problemen zu mir. Er war 27 Jahre alt und hatte an der Börse im letzten halben Jahr dreizehn Millionen Dollar verloren – fast sein gesamtes Vermögen. Ein paar Millionen besaß er noch, doch er hatte Angst, dass diese auch noch den Bach runter gingen, wenn er den Hebel nicht umlegen könnte.

Als er siebzehn war, veranstalteten die Gymnasien seines Bundeslandes einen Börsenwettbewerb. Er gewann diesen Wettbewerb und verdiente in dem Spiel viele Millionen – leider nur Spielgeld. Dennoch war für ihn damit klar, was er später beruflich machen würde. Er würde Börsenmakler werden. Er sparte sein Taschengeld und jobbte in den Ferien, um sich das Geld zur Seite zu legen. Als er schließlich achtzehn war, legte er mit einigen Tausend DM los und kaufte Aktien. Mit 23 hatte er dann seine erste Million zusammen. Danach ging alles rasend schnell. Er machte ein gutes Geschäft nach dem nächsten und verdiente sich dumm und dämlich. Egal, was er anpackte, es wurde zu Geld. Bis zu dem denkwürdigen Tag an dem er die erste große Fehlentscheidung traf. Er verlor bei einem Geschäft über eine Million Dollar. Dieser Verlust läutete eine Serie von Fehlentscheidungen ein. Egal, was er jetzt anpackte, er verlor Geld. Er wollte den Schalter unbedingt wieder auf Erfolg umlegen, doch wo war der Fehler?

Mittlerweile traute er sich nicht mehr an die Börse. In seiner Angst setzte er auf ein ganz konventionelles und krisensicheres Immobiliengeschäft. Er kannte sich jedoch in diesem Geschäft nicht gut genug aus und wurde dadurch kräftig über den Tisch gezogen. Er verlor also weiterhin Geld. Und so saß er jetzt panisch vor mir und fühlte sich schon wie ein Penner unter der Brücke – sicherlich nicht die beste emotionale Voraussetzung, um gute geschäftliche Entscheidungen zu treffen!

Ich schaute mir mit ihm gemeinsam an, was sich an seiner Entscheidungsstrategie geändert hatte, mit der er viele Jahre lang immer auf das richtige Pferd gesetzt hatte. Wir widmeten uns erst einmal seiner Erfolgsstrategie. Das Erste, was auffiel: Er hatte sich auf die Spekulation von Rohöl spezialisiert, denn dafür besaß er offensichtlich einen untrüglichen Riecher. Damit machte er sein Geld. Alle anderen Geschäfte interessierten ihn zunächst auch nicht. Seine Entscheidungen traf er rein intuitiv aus dem Bauch heraus.

Sein erster Versuch, mit anderen Geschäften Geld zu verdienen, ging sofort schief, und er verlor die erste Million. Er kaufte aufgrund seines Bauchgefühls Dollars. Sein Bauch sagte ihm, dass der Kurs unmöglich weiter fallen könnte. Doch der Dollarkurs fiel weiterhin und zwar ins Bodenlose. Sein Bauchgefühl, auf das er sich bisher immer verlassen konnte, hatte sich dieses Mal geirrt. Er hatte zum ersten Mal Geld an der Börse verloren und das gleich eine Million. Das tat weh!

Unbewusst entstand nun in ihm ein fatales Motiv: Er wollte dieses Geld so schnell wie möglich wieder reinholen! Doch dazu musste er größere Risiken eingehen. Er verließ sich erneut auf sein untrügliches Bauchgefühl für Öl und verlor jetzt sogar in diesem Sektor sein Geld. Nie zuvor hatte er im Ölgeschäft Verluste gemacht! Das machte ihn wütend und er schwor sich, dieses Geld ebenfalls ganz schnell wieder rein zu holen. Und so verlor er weiterhin sein Geld.

Wir konzentrierten uns also auf dieses Bauchgefühl, von dem er glaubte, es sei eine Art übersinnliche Eingebung. Schnell wurde klar, dass seine Intuition gar nicht so übersinnlich war. Sie war nur verdammt gut! Zumindest dann, wenn er sie richtig nutzte.

Das menschliche Gehirn verfügt über außerordentliche Fähigkeiten. Ich habe schon einmal in einem früheren Glückstipp (Der beste Computer der Welt) davon berichtet. Zur Erinnerung: Unser Gehirn ist in der Lage, pro Sekunde 350 Billionen (350.000.000.000.000) Rechenoperationen durchzuführen. Eine unvorstellbar große Zahl! Bewusst können wir davon lediglich ca. 20 pro Sekunde wahrnehmen. Mit anderen Worten: so gut wie nichts! Diese gigantische Leistungsfähigkeit wurde geschaffen, um in einer Art Simulation unser Leben vorauszuberechnen. Auf diese Weise können wir Gefahren und Chancen vorhersehen und uns darauf vorbereiten.

Unser Gehirn simuliert also ununterbrochen unsere nahe und ferne Zukunft - und offensichtlich auch die Börsenkurse, wenn wir es gezielt dafür einsetzen. Und genau das hatte mein Klient geschafft. Sein Bauchgefühl war keine übersinnliche Wahrnehmung. Es war das Ergebnis eines gigantischen Simulationsprogramms, zu dem kein Computer dieser Welt in der Lage wäre.

Mein Klient fütterte sein Gehirn seit vielen Jahren mit Nachrichten aus aller Welt. Er las dazu jeden Tag ca. fünf bis sechs Stunden Zeitung. Ihn interessierte dabei jedoch nicht nur der Wirtschaftsteil. Er las alles! Es interessierte ihn genauso, wenn irgendwo in Afrika ein Stammeskönig starb, oder wenn ein Scheich aus Saudi Arabien Stress mit einer seiner Frauen hatte. Es interessierte ihn, wenn der amerikanische Präsident in den Krieg gegen den mittleren Osten zog, oder wenn der Dalai Lama zu Besuch kam. Er spürte, dass all diese Informationen wichtig waren. Wichtig für sein Bauchgefühl!

Ihm war klar, dass diese Ereignisse alle einen Einfluss auf den Ölpreis haben könnten. Der afrikanische König hatte vielleicht über fünf Ecken etwas mit dem Ölgeschäft zu tun. Ecken, von denen man vielleicht früher schon einmal etwas gelesen hatte. Sein Simulationsprogramm verfügte also über diese Informationen, auch, wenn er sich bewusst daran nicht mehr erinnern konnte. Der Tod des Königs würde also Auswirkungen haben. Genauso wie eine große Lieferung Panzer aus der Russland in den mittleren Osten oder der Krieg gegen den Terror. Aber auch der Streit des Scheichs oder sein Gesundheitszustand würden nicht bedeutungslos bleiben. Alles könnte Auswirkungen auf alles haben! Die möglichen Auswirkungen waren nur viel zu komplex, um sie bewusst zu begreifen. Für das Simulationsprogramm meines Klienten mit seinen 350 Billionen Rechenschritten pro Sekunde waren sie jedoch nicht zu komplex. Zumindest war er damit in der Lage, ziemlich zuverlässig vorauszusagen, ob der Ölpreis tendenziell stieg oder fiel. Und das genügte für sein Geschäft.

Nach seinem ersten finanziellen Verlust funktionierte sein Simulationsprogramm jedoch nicht mehr richtig. Zwar las er weiterhin seine Nachrichten, doch sein Motiv, das Geld schnell wieder reinzuholen, gab dem Programm eine neue Zielsetzung. Anstatt nur die Tendenz des Ölpreises vorauszusagen, verlangte er von seinem Programm eine klare Aussage darüber, welche Aktien genau in ihrem Wert steigen würden. Eine Aufgabe, die seine Simulation nicht bewältigen konnte! Und so gab es Fehler im Bauchgefühl.

Unser Gehirn kann trotz seiner gigantischen Leistungsfähigkeit nur ca. 10 Prozent aller Informationen verarbeiten, die uns täglich erreichen. Natürlich werden diese 10 Prozent sorgfältig ausgewählt. Es sind die 10 Prozent, denen wir Bedeutung verleihen. Von Bedeutung sind für unser Simulationsprogramm grundsätzlich zwei Dinge: Gefahren und Chancen. Und genau hier hatte unser Ölspekulant eine folgenschwere Veränderung vorgenommen. Er veränderte das Gleichgewicht zwischen Gefahren und Chancen zunächst zugunsten der Chancen. Er wollte das Geld so schnell wie möglich wieder reinholen und konzentrierte sich auf potenzielle Chancen. Doch ohne die ausreichende Berücksichtigung der Gefahren war die Auswertung seines Simulationsprogramms fehlerhaft. Er verlor also Geld, weil er die Chancen zu hoch bewertete und deshalb unvorsichtig wurde.

Danach kippte seine Strategie genau ins Gegenteil. Er bekam Angst, noch mehr Geld zu verlieren und gab daher den Gefahren eine zu große Bedeutung. Dabei entgingen seiner Simulation jedoch die Chancen. Sein Bauchgefühl lieferte keine eindeutigen Ergebnisse mehr. Er distanzierte sich dadurch vom Ölgeschäft und kaufte Immobilien, da er der Meinung war, hier kein Bauchgefühl zu brauchen. Doch ohne das Bauchgefühl ist kein wirklicher Erfolg möglich, das sah er schließlich ein. Wir mussten also das Gleichgewicht zwischen Gefahren und Chancen irgendwie wieder herstellen. Wir mussten es wieder ins richtige Lot bringen. Doch was war richtig? Diese Frage ließ sich nicht mit dem analytischen Verstand beantworten. Es war eher eine Frage der Emotionen.

Unser Gehirn ist kein staubtrockener Computer. Es ist eine schwabbelige und feuchte Masse, deren Funktionsweise ganz gewaltig von unseren Emotionen beeinflusst wird. Unsere Emotionen werden im so genannten Limbischen System erzeugt. Einem evolutionär gesehen viele Millionen Jahre alten Gehirnareal, das einzig und alleine ein Ziel verfolgt: die Absicherung unseres Überlebens. Das Limbische System ist absolut identisch mit dem aller Säugetiere und daher nicht in der Lage, komplizierte Zusammenhänge in unserer Zivilisation zu beurteilen. Dafür benötigt es die Beurteilung unseres Großhirns. Je realistischer unser Großhirn unsere Lebensumstände hinsichtlich Überlebensgefahren und Überlebenschancen beurteilt, desto besser kann das Limbische System arbeiten.

Und genau hier lag das Problem meines Klienten. Er beurteilte seinen Geldverlust fälschlicherweise als Überlebensgefahr. Er sah sich wie gesagt schon als Penner auf der Parkbank. Zunächst wurde er wütend und zog in den Kampf. Es war eine natürliche Reaktion seines Limbischen Systems gegenüber einer Lebensgefahr. Angriff ist die beste Verteidigung! Als dies nicht funktionierte, bekam er Angst. Die Angst hat für unser Limbisches System folgende Aufgabe. Sie soll uns aufmerksam für Gefahren und fluchtbereit machen. Wäre der Geldverlust ein wildes Raubtier gewesen, hätte diese Emotion auch ihre Aufgabe der Überlebenssicherung erfüllen können. Doch Geldverlust ist keine akute Überlebensgefahr. Wenn überhaupt dann nur eine Sekundäre.

Die Aufgaben der Wut und der Angst blockieren das Simulationsprogramm vollständig. Wenn man in akuter Lebensgefahr schwebt und deshalb kämpfen oder flüchten muss, bringt es sicherlich wenig, ein Programm zu starten, mit dem man zukünftige Gefahren und Chancen ausloten will. Dafür ist in diesem Moment keine Zeit. Erst wenn die akute Gefahr verzogen ist, kann man sich den Luxus leisten, über die Zukunft zu simulieren.

Dieser Glückstipp richtet sich natürlich nicht nur an Börsenmakler. Wenn es um Geld und Erfolg geht, sind immer zwei Dinge von Bedeutung: Gefahren und Chancen! Ganz egal, ob man als Angestellter oder freischaffender Künstler Karriere machen oder beim Schlussverkauf die besten Schnäppchen ergattern will. Unsere Wahrnehmung für Gefahren und Chancen sollten immer in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, denn nur dann können wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen. Ein Bauchgefühl, das entweder die Antwort eines gigantischen Simulationsprogramms darstellt oder vielleicht sogar tatsächlich etwas Übersinnliches hat.

Der erste Schritt zu diesem ausgewogenen Verhältnis und damit zu den richtigen Erfolgsideen besteht in einem gelassenen und motivierten emotionaler Zustand. Dieser Zustand ist durch die Zusammenarbeit mit unseren Instinkten zu erreichen. In den Büchern „Mary“, „Die Glückstrainer“ und „Glücksmomente“ habe ich diese Zusammenarbeit sehr ausführlich behandelt. Es geht dabei um eine realistische Beurteilung unserer Lebensumstände, die in einer Art vorgenommen werden sollte, die unsere Instinkte verstehen können.

Der zweite Schritt besteht in der Feinabstimmung von Chancen- und Gefahrenwahrnehmung, die mit Herz und Verstand auf die jeweilige Zielsetzung abgestimmt werden sollten. Dabei sollten alle Instanzen des Gehirns berücksichtigt werden, die ich in meinem Glückstipp „Der Realitätsempfänger“ beschrieben habe. Ich sehe keine Trennung zwischen spiritueller und materieller Welt. Für „beide“ Welten gelten die gleichen Gesetzmäßigkeiten. Die Ausrichtung unserer Wahrnehmung bestimmt sowohl unsere Realitätsauswahl als auch unser Bauchgefühl und unser Handeln. Wir müssen uns also nicht entscheiden, ob wir nun den Weg der Realitätsgestaltung gehen oder rein weltlich handeln wollen. Beide Wege gehen Hand in Hand.

Im Wochenend-Camp werden wir uns sowohl der Herstellung des passenden emotionalen Zustandes als auch der Feinabstimmung widmen. Dabei werden wir auch eventuelle Erfolgsblockaden beseitigen. Wenn wir beispielsweise aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen Angst vor dem Erfolg oder vor dem damit verbundenen Geld haben, wird unser Bauchgefühl dieser Angst Rechnung tragen und uns falsche Informationen liefern. Eine andere Erfolgsblockade kann in der Identifikation mit einem nahe stehenden Menschen liegen, der ebenfalls nicht erfolgreich ist. Oder wir blockieren den Erfolg, weil wir niemandem neidisch machen wollen. Es gibt viele Möglichkeiten für solche Blockaden. Sie zu finden, erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl und die richtige Strategie.

Solltest du an diesem Weg interessiert sein, dann freue ich mich darauf, dich auf dem Weg zu deinem Erfolg begleiten zu dürfen. Ansonsten hoffe ich, dir mit diesem Glückstipp einige neue Inspirationen zum Thema Geld und Erfolg gegeben zu haben.

Ich wünsche dir alles Liebe und viel Erfolg!

 

Bodo Deletz (alias Ella Kensington)                                                              Zurück>>